Unterricht in Gewaltprävention

An den vergangenen beiden Samstagen gab es für die Kinder aus den Klassen eins und drei der Lina-Sommer-Grundschule in Jockgrim zusätzlichen Unterricht! Aber nicht in den Fächern Deutsch oder Mathematik - die Schüler kamen auch nicht mit ihrem Ranzen, sondern mit ihrem Turnbeutel und Proviant. Auf dem Stundenplan stand das Fach >Gewaltprävention<.
Dazu hatte die Schule besondere Lehrer eingeladen: Die EWTO-Fachtrainer für Selbstverteidigung und Gewaltprävention Thomas Schneider und Peter Klammler. Diese legen in ihrem Konzept besonders viel Wert darauf, die Kinder zu stärken und ihnen Mittel an die Hand zu geben, mit denen sie aus der Opferrolle heraustreten können.

Gleich in der ersten Phase kommt Bewegung in den Kurs: Weglaufen ist ein effektives  Mittel, um sich einer Situation zu entziehen, die Kindern ein „schlechtes Gefühl“ gibt. Wer dabei noch „Hilfe! Feuer! Überfall!“ rufen kann, zieht die Aufmerksamkeit von Passanten auf sich und bekommt hoffentlich Unterstützung. Ein Meister ist, wer sich mit dem Schulterblick noch zusätzlich einen Überblick über die Situation verschaffen kann.

Die beiden Trainer spielen den Kindern eine Schulhofszene vor, bei der Trainer Peter die Opferrolle einnimmt. Es wird schnell klar, dass Peter sich viel zu passiv verhält. Er ist ein „leichtes“ Opfer. „Du hast einfach alles mit dir machen lassen, es hätte sogar noch schlimmer werden können!“, stellt ein Mädchen aus der dritten Klasse fest. Die Kinder können aber nachempfinden, dass man schnell in eine solche Position geraten kann.

„Das Schlechteste, was man tun kann, ist  gar nichts zu tun!“, wiederholt Trainer Peter eindringlich, nachdem die Kinder ihm die Noten 4- und 6 gegeben haben. Köperhaltung, Sprache und Stimme sollen Tätern vermitteln, dass man sich nicht leicht in die Opferrolle drängen lässt. Die größte Herausforderung dabei: der passende Gesichtsausdruck. „Ihr guckt alle noch viel zu lieb!“, so die ungewohnte Rückmeldung an die Teilnehmer. „Wenn das körpereigene Frühwarnsystem versagt hat oder man zu plötzlich in eine bedrohliche Situation gerät, hilft manchmal nur die 4-“, womit Trainer Thomas eine körperliche Abwehr meint.

Bis dahin gilt: In der Gruppe zusammenbleiben, sich aktiv verhalten und vor allem laut und deutlich äußern, was man nicht will. „Halt! Stopp! Lassen Sie mich in Ruhe!“, schallt es  im Training immer selbstbewusster in der Sporthalle, denn auch hier gilt: Übung und Wiederholung geben Sicherheit.

Daher freuen sich Kinder, Eltern und Lehrer auch sehr, dass es dank der gemeinsamen Finanzierung durch Verbandsgemeinde, Ortsgemeinde, Ministerium und Förderverein möglich ist, jedes Kind im Laufe seiner Grundschulzeit zweimal durch den Kurs >Gewaltprävention< zu führen.      

Tuesday, 01.03.2016 19:58 19:58 Alter: 2 Years